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Arc wird abgeschaltet: Wohin mit meinem digitalen Alltag?

Arc wird abgeschaltet: Wohin mit meinem digitalen Alltag?

Wenn ich zwischen privaten Dingen und der Arbeit für verschiedene Firmen wechsle, geschieht das oft in der Seitenleiste meines Browsers. Anderer Space, die passenden Accounts und die Seiten, die ich dort brauche. Die Ordner sind schon da, die wichtigen Tabs angeheftet. Ich muss kaum darüber nachdenken, wo etwas liegt.

So hat sich Arc in meinen Alltag eingebaut. Und genau deshalb trifft mich sein Ende mehr, als ich es bei einem Browser erwartet hätte.

Am 22. Dezember 2026 wird Arc unter macOS und Windows abgeschaltet. The Browser Company hat das Ende angekündigt; ab diesem Datum lässt sich der Desktop-Browser nicht mehr nutzen. Ich habe es kommen sehen. Als der Termin dann feststand, war es trotzdem ein Stich ins Herz. Ankündigung auf X, Abschied und Zeitplan

Jetzt suche ich einen Nachfolger und merke dabei, wie viel von meinem Arbeitstag an dieser einen Anwendung hängt.

Der Browser ist mein WeChat

Der Vergleich mit WeChat auf dem Smartphone passt für mich ziemlich gut. Wenn der Alltag in einer Anwendung stattfindet, interessiert irgendwann vor allem, ob diese Anwendung läuft. Android oder iOS wird dann zur zweiten Frage.

Bei mir übernimmt der Browser diese Rolle. E-Mails, Kalender, Webapps, KI-Werkzeuge und die Verwaltung verschiedener Dienste laufen dort zusammen. Teams und Zoom habe ich lokal installiert, aber für einen großen Teil meiner übrigen Arbeit reicht schon der Blick in die Seitenleiste.

Deshalb beschäftigt mich die Browserfrage sogar dann, wenn ich über mein nächstes Betriebssystem nachdenke. Bleibe ich bei macOS? Wird es irgendwann Linux, vielleicht Omarchy? Ein Browser, der meine Arbeitsweise gut mitnimmt, würde mir so einen Wechsel erheblich erleichtern. Dass die aktuellen Kandidaten auf unterschiedlichen Plattformen verfügbar sind, muss ich dabei natürlich berücksichtigen.

Arc hatte mir diese Überlegung lange abgenommen. Ich hatte meinen Platz gefunden und mich eingerichtet.

Was in meinen Spaces steckt

Spaces sind eigene Arbeitsbereiche im selben Browserfenster, jeweils mit ihren Tabs, Ordnern und angehefteten Seiten. Das fühlt sich ein wenig wie der Wechsel zwischen Browserprofilen an, bleibt aber in einer gemeinsamen Oberfläche. Für getrennte Accounts lässt sich einem Space ein eigenes Profil zuordnen; dieses trennt dann die Anmeldungen und Cookies. Mehrere Spaces können sich auch ein Profil teilen. So kann ich meine privaten Accounts und die Konten der Firmen, bei denen ich regelmäßig arbeite, passend organisieren. Spaces und Profile in Arc

Was mir daran besonders gefällt, ist der Wechsel selbst: Auf dem Mac wische ich mit zwei Fingern auf dem Trackpad in der Seitenleiste nach links oder rechts und bin im nächsten Space. Per Shortcut geht es genauso, etwa mit Ctrl + 1 oder Ctrl + 2 direkt zum gewünschten Bereich. Die ganze Ordnung bleibt dabei im selben Fenster. Diese Verbindung aus Arbeitsbereichen und einfacher Bedienung möchte ich auch künftig behalten. Spaces wechseln

Mit der Zeit ist auch in der Seitenleiste eine vertraute Ordnung entstanden. Ein Ordner für die zusammengehörigen Seiten, angeheftete Tabs für die Dinge, die ich ständig brauche. Ich weiß, wo ich hinschauen muss. Diese vielen kleinen Handgriffe fallen mir inzwischen kaum noch auf. Erst beim Ausprobieren eines anderen Browsers merke ich wieder, wie angenehm sie geworden sind.

Eine iPhone-App wäre beim Nachfolger willkommen. Open Source bekommt für mich ebenfalls mehr Gewicht. Beides steht auf meiner Wunschliste, aber zuerst muss ich meine privaten und beruflichen Konten getrennt halten und meine Ordner vernünftig unterbringen können.

Bei Dia ist das Vertrauen beschädigt

Mit Dia wäre der Umzug vermutlich am einfachsten zu erklären: Arc-Daten importieren, die bisherigen Spaces heißen jetzt Profiles, weiterarbeiten. Die vertrauten Funktionen kommen nach und nach mit. Ich verstehe, warum das für viele der naheliegende Weg ist.

Ich tue mich damit schwer. Ich habe meine Arbeitsweise auf Arc eingerichtet und darf sie jetzt wieder einpacken. Beim selben Anbieter gleich noch einmal so viel Vertrauen aufzubauen, fällt mir nach dieser Erfahrung nicht leicht.

Bei aller Enttäuschung bin ich dem Team aber auch dankbar. Arc hat mir ein Bedienkonzept gezeigt, das sich für mich neu angefühlt hat und meinen Umgang mit dem Browser verändert hat. Die Spaces und die Organisation in der Seitenleiste sind mir so vertraut geworden, dass ich sie jetzt anderswo wieder suche. Dass mehrere Projekte diese Ideen aufgreifen, freut mich. Ein Stück von dem, was Arc für mich ausgemacht hat, bleibt dadurch erhalten.

Dabei geht es inzwischen um eine beachtliche Größenordnung. Atlassian kündigte 2025 die Übernahme von The Browser Company für rund 610 Millionen US-Dollar in bar an. Das war der Preis für die Firma hinter Arc und Dia, einschließlich Team und Technologie. Den geschäftlichen Erfolg gönne ich Josh Miller und dem Team. Wie viel von der Übernahme bei ihm persönlich angekommen ist, weiß ich nicht. Gleichzeitig greifen kleinere Projekte genau die Arc-Ideen auf, die mir wichtig waren. Natürlich ist ein nachgebauter Space keine ganze Firma. Trotzdem wirkt es auf mich seltsam, dass ich meine gewohnte Arbeitsweise nun ausgerechnet bei diesen kleineren Projekten wiederfinde.

Auch die Begeisterung für den KI-Browser hat bei mir nachgelassen. OpenAI hat Atlas als eigenständigen Browser bereits wieder eingestellt; browserbasierte KI-Arbeit geht im Browser der ChatGPT-App weiter. So schnell kann sich ändern, welches Produkt gerade die Zukunft sein soll. Meinen Arbeitsplatz möchte ich länger behalten.

Ich nutze KI gerne. Welche Werkzeuge und Anbieter ich dafür verwende, will ich aber selbst entscheiden. Bei Dia sind die KI-Funktionen laut Hersteller optional, doch mir wird das Gesamtpaket mit seinen vielen Integrationen zu viel. Seit Version 1.52.0 verbindet die Anmeldung mit dem Atlassian-Konto Dia außerdem automatisch mit Atlassian. Und schon der zusätzliche Login für meinen Browser stört mich.

Wenn ich meinen Browser mit weiteren Diensten verbinde, möchte ich verstehen, welche Daten dabei wohin fließen und wer darauf zugreifen kann. Bei der engen Verknüpfung in Dia bleibt für mich ein ungutes Gefühl. Zusammen mit dem Vertrauensverlust reicht das, um mich dagegen zu entscheiden. Für meinen nächsten Browser werde ich mit The Browser Company deshalb nicht weitergehen. Ich kann dankbar für Arc sein und mich trotzdem von seinem Anbieter verabschieden.

Deshalb schaue ich diesmal genauer hin, bevor ich mich wieder einrichte. Offener Quellcode könnte es anderen ermöglichen, ein aufgegebenes Projekt weiterzuführen. Eine Garantie für Wartung oder Updates ist das zwar nicht. Zusammen mit einem brauchbaren Datenexport würde es mir aber etwas mehr Spielraum beim nächsten Umzug geben.

Alternative Browser zu Arc

Je länger ich suche, desto weniger Lust habe ich auf einen großen Funktionswettbewerb. Ich möchte meine Arbeit wiederfinden und möglichst wenig über den Browser nachdenken müssen. Die folgenden Projekte habe ich deshalb mit sehr unterschiedlichen Erwartungen auf der Liste. Ihre Funktionen habe ich anhand der Projektseiten am 26. Oktober 2026 geprüft; die Tests im eigenen Alltag laufen noch.

Für alle Kandidaten gilt dabei dieselbe Voraussetzung: Die Entwicklung muss auch bei Sicherheitsupdates zuverlässig mithalten. Gerade bei einem Chromium-Browser schaue ich deshalb darauf, wie schnell Korrekturen aus der Engine tatsächlich bei mir als Browser-Update ankommen. Bei einer kritischen Lücke wären mir zwei zusätzliche Tage Wartezeit zu viel. Die Chromium-Version allein genügt als Hinweis nicht; entscheidend ist, ob der konkrete Fix enthalten und das Update verfügbar ist. Bei WebKit-basierten Kandidaten schaue ich entsprechend auf deren Updateweg. Das werde ich in den kommenden zwei Monaten mitbeobachten. Ein Browser, in dem meine privaten und beruflichen Konten zusammenlaufen, muss auch hier mein Vertrauen verdienen.

  • Crest kommt dem, was ich behalten möchte, auf dem Papier ziemlich nahe. Spaces, Ordner in der Seitenleiste, angeheftete Seiten, Split View und Peek sind da. Auf dem Mac kann ich Chromium und WebKit nutzen, dazu gibt es iPhone- und iPad-Apps mit iCloud-Synchronisation. Der offene Quellcode gefällt mir. Crest steht deshalb weit oben auf meiner Testliste, auch wenn es noch Early Access ist. In den kommenden zwei Monaten teste ich Crest auf Geschwindigkeit und Stabilität.

  • Yab interessiert mich vor allem wegen der Nähe zu Arc. Der WebKit-Browser übernimmt Spaces, Pins und Ordner ebenso wie Peek und Split View. Meine Arc-Struktur soll sich importieren lassen, eine iPhone-Beta gibt es ebenfalls. Für die KI-Funktionen lässt sich ein vorhandenes Claude- oder ChatGPT-Abo verwenden. Das passt eher zu meinem Wunsch, meine Werkzeuge selbst zu wählen. Yab bleibt im Test.

  • Ardia schaue ich mir daneben genauer an. Chromium, getrennte Profile und Chrome-Erweiterungen sind für meine unterschiedlichen Accounts eine interessante Grundlage. Dazu kommen die Seitenleiste, Split View und ein integrierter Werbe- und Trackingblocker. Der Quellcode ist offen. Bei Ardia wird für mich vor allem die Organisation entscheiden: Finde ich meine Tabs und Gruppen auch dann noch schnell wieder, wenn mehrere Arbeitsbereiche gleichzeitig voll sind?

  • Zen hatte ich mir schon angesehen, als Arc nur noch gepflegt wurde. Damals war er eine der naheliegenden Möglichkeiten: Open Source, Spaces und eine Seitenleiste. Mit der Firefox-Basis werde ich allerdings nicht warm. In meinem Alltag empfinde ich den RAM-Verbrauch als höher und die Performance als schlechter. Das ist meine Erfahrung; unabhängige Tests zeigen je nach Aufgabe auch Stärken von Firefox.

  • Dia hätte mit dem direkten Arc-Import einen praktischen Startvorteil. Profiles, angeheftete Tabs, Tab Groups und Split View machen den Wechsel zusätzlich vertraut. Bei mir überwiegen inzwischen aber die Vorbehalte gegenüber den Integrationen, dem Login und dem Anbieter. Dia ist für mich deshalb aus dem Rennen.

  • Helium habe ich bereits ausprobiert und finde das Projekt weiterhin spannend. Ein offener Chromium-Browser mit Datenschutzfokus und einer schlanken Oberfläche spricht mich an. Nur fehlen mir die Spaces. Der Wunsch nach Tab-Workspaces steht in Issue #245 seit Oktober 2025. Inzwischen gibt es eine Aufwandseinstufung, aber keinen zugesagten Termin. Ich möchte meinen Umzug nicht davon abhängig machen, ob diese Funktion irgendwann kommt. Hinzu kommt die fehlende Unterstützung für Widevine DRM, also den Kopierschutz bestimmter Streamingangebote. Solche geschützten Videos lassen sich damit derzeit unter Umständen nicht abspielen. Auch das ist für meinen Alltag eine Einschränkung.

  • SigmaOS hat mit Workspaces, vertikalen Tabs und geteilten Ansichten einiges von dem, was ich suche. Dazu kommt der KI-Assistent Airis. Beim Gesamtpaket verliere ich aber das Interesse: Mir ist es zu überladen. Ich möchte meine Arbeit im Browser sortieren können, ohne mich gefühlt in ein weiteres Betriebssystem einzuarbeiten.

  • Phi geht mit seiner nativen Mac-Oberfläche und dem offenen Chromium-Browserkern zunächst in eine interessante Richtung. Im Mittelpunkt stehen dann aber der persönliche KI-Begleiter, sein Gedächtnis und die Automatisierung. Genau dafür suche ich gerade keinen neuen Browser. Ich will meine KI-Werkzeuge selbst wählen. Die Produktidee passt deshalb für mich nicht, unabhängig davon, welche Modellwahl Phi technisch zulässt.

  • Brave kenne ich ebenfalls aus meinen bisherigen Versuchen. Open Source, Chromium und der integrierte Schutz vor Werbung und Trackern sind gute Argumente. Auch die Apps für die gängigen Desktop- und Mobilplattformen sind praktisch. Besonders gefällt mir, dass sich Brave Origin ohne die zusätzlichen Funktionen wie VPN und Krypto-Wallet nutzen lässt. Bei der Organisation fehlt mir aber das Arc-Gefühl: Ich möchte meine Profile beziehungsweise Arbeitsbereiche direkt in einer gemeinsamen Seitenleiste haben und dort schnell zwischen ihnen wechseln können. Vertikale Tabs allein reichen mir dafür nicht. Deshalb bleibe ich für die nächste Testrunde bei Crest, Yab und Ardia.

Der Umzug muss einen Arbeitstag überstehen

Bei der Entscheidung werde ich vermutlich an einem ganz gewöhnlichen Moment hängen bleiben. Ich will zwischen privaten und beruflichen Bereichen wechseln, mit dem richtigen Account weiterarbeiten und den Tab wiederfinden, an dem ich gerade gearbeitet habe. Wenn ich dabei ständig meine neue Ablage suchen oder Anmeldungen korrigieren muss, hilft mir die schönste Funktionsliste wenig.

Vor dem 22. Dezember gehört außerdem ein Export meiner Arc-Daten dazu. Die Exportfunktion gibt es. Aus einer Liste von Links muss ich mir aber erst wieder einen Arbeitsplatz machen, an dem ich mich so selbstverständlich zurechtfinde wie bisher.

Welcher Browser das am Ende wird, schreibe ich euch in einem Folgebeitrag. Im Moment teste ich noch und merke bei jedem Kandidaten genauer, was ich an Arc eigentlich hatte.

Was macht ihr? Bleibt ihr bis zuletzt bei Arc, zieht ihr zu Dia weiter oder habt ihr euren Nachfolger schon gefunden? Besonders interessieren mich eure Erfahrungen mit getrennten Konten, Spaces und Ordnern. Genau damit verbringe ich gerade ziemlich viel Zeit.

Bis zum nächsten Mal,
Euer Joe

Quellen